 | | Ferientour 1992: Bündnerland/Südtirol |  |
Alles begann ganz harmlos. Bei einem gemütlichen Zmorge bei
Eilingers tröpfelten die 16 Teilnehmer "noh-dis-noh" herein. Nur
bei Alex dauerte es etwas länger. Sein verschlafenes Gesicht
erblickten wir erst in Ebnat-Kappel. Der Aufstieg nach Wildhaus wurde
von allen souverän gemeistert. Nach der ersten Rast ging es auf
schnellen Reifen weiter nach Landquart. Dazwischen stellte sich
erbarmungslos die Luziensteig und vor allem die Hitze in den Weg. Den
Schlussaufstieg nach Klosters fuhren dann die meisten "en bloc".
Besonders gemein die letzten 300 Meter bis zur Jugi, die "Mur de
Soldanella".
Am nächsten Morgen ging es bei leichtem Nebel weiter Richtung
Davos. Dicker Nebel allerdings bei Patrick, der einen unsichtbaren,
uneinholbaren Gegner jagte...Den Flüelapass brachten die
wackeren Radler in unterschiedlicher Kondition hinter sich. Vor allem
Martin Stieger war schwer angeschlagen und verzichtete gar auf die
Abfahrt (!). Dadurch kam Chauffeur Hansueli zu einem Blitz-Einsatz.
Sein Notruf am Ofenpass (mit Walkie-Talkie) wurde wegen technischen
Unzulänglichkeiten nicht erhört. Dennoch erreichte er die
Passhöhe, wenn auch auf Kosten der Schuhplatten. Alex hatte in
der Spöl-Schlucht ein moralisches Tief und provozierte beinahe
einen Versicherungsfall. Grosser Profiteur war Toni "Peng", der
seinen letztes Jahr erworbenen Titel abgeben konnte. Nach einer
verwegenen Abfahrt erreichten wir Sta. Maria. Die dortige Jugi war
sehr romantisch, einzig die Trennung der Geschlechter war nicht
streng genug.
Anderntags stand die Königin der Alpenpässe vor unseren
Rädern, das Stilfserjoch mit einer Höhendifferenz von 1800
Metern. Der Schweiss floss in Strömen, Körner und Briketts
schwanden dahin. Doch der Stolz auf die vollbrachte Leistung
entschädigte für die Entbehrungen. Besondere Erwähnung
verdienen Daniela, Emilie und Toni, aber auch Martin, der seine Krise
wieder überwunden hatte. Die lange Abfahrt über den Umbrail
wurde durch den miesen Zustand der Strasse etwas getrübt, doch
(bis auf die gewohnten Ausnahmen) blieben alle von Stürzen und
Defekten verschont.
Die nächste Etappe von Sta.Maria nach St.Moritz wurde auf
unterschiedlichen Pfaden bestritten. Während die einen nach den
Strapazen des Vortags die einfachere Route via Tunnel wählten,
fuhren die Unentwegten über den Ulmbrai und den Passo di
Foscagno nach Livigno, wo Hansueli mit dem Bus auf einem hervorragend
geeigneten Parkplatz ganz in der Nähe des Dorfzentrums auf uns
wartete. Auf der Fuorcla di Livigno entging Peter nur knapp der
Verhaftung durch einen wildgewordenen Zöllner. Umso schneller
wurde die kurze Abfahrt zum Schweizer Zoll absolviert, wo mit dem
Schlussstück des Berninas das letzte Hindernis überwunden
werden musste. Die Abfahrt war unvergesslich, nur die vielen zu
überholenden Autos waren etwas lästig. In St.Moritz
logierten wir in überaus heimeliger und intimer
Atmosphäre.
Der folgende Tag war leider schon der letzte. Während die
einen nun endgültig genug hatten von all den Pässen und mit
dem Zug heimreisten und Patrick ein einsames Solo gen Barcelona
abspulte, genossen die andern eine wundervolle Schlussetappe
über Albula und Lenzerheide. In Chur sollte dann Ende Feuer
sein, doch Toni brachte auch die restlichen Kilometer noch
rädlich hinter sich, und auch Martin Stieger soll die Heimat auf
verschlungenen Wegen per Rad erreicht haben.
Fazit der fünf Tage durch das Bündnerland: Optimales
Wetter, gute Kameradschaft, viel Gesprächsstoff für lange
Winterabende...!
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