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 | | Ferientour 1996: Savoyen, Lac d'Annecy |  |
Revolutionäre Änderungen kennzeichneten den Start zur
Ferientour 1996. Die unverbesserliche Ferientour-Fangemeinde
versammelte sich für einmal nicht am Montag und nicht bei einem
Zmorge bei Familie Eilinger, sondern am heiligen Tag des Herrn und
bei einem Zmorge bei Familie Kuhn. Die erste, wahnsinnige Etappe von
Uzwil nach Veyrier-du-Lac am Lac d'Annecy (auch Annosi, Annesi oder
Annoncy) über 480 Kilometer forderte allen das Letzte ab, vor
allem Mathias, der am Steuer sass. Diejenigen, die danach noch
über Kraft und Moral verfügten, gönnten ihrem Velo
wieder einmal eine gründliche fahrende Nassreinigung via den
(oder besser gesagt, einen) Col de la Forclaz. Am Abend trafen dann
noch ein paar weitere Versprengte ein, so dass schliesslich eine
muntere Zehnerschaft beisammen war (oder eigentlich Elferschaft, wenn
wir Ursulas Zustand berücksichtigen).
Zum Aufwärmen machten wir uns am Montag Richtung Genf auf.
Nach wenigen Kilometern waren Philipp und Tappi schon warm genug und
beschlossen, sich lieber am Strand wieder abzukühlen. Nach der
Selbstmörderbrücke wechselten die Übriggebliebenen von
einer Autobahn mit ca. 3000 Autos pro Stunde auf ein Strässchen,
wo höchstens mal ein Eichhörnchen unseren Weg kreuzte. Auf
dieser idyllischen Route erklommen wir den Mont Salève, auf
dessen Spitze (oder Fläche) wir durch eine atemberaubende
Aussicht auf die Stadt Calvins belohnt wurden. Nach einer rassigen
Abfahrt, einem Rencontre mit einer etwa tausendfüssigen
Trauergemeinde und nach der unfreiwilligen Teilnahme an einem
Autorennen mit lauter französischen Fahrern kamen wir wieder
heil (ein Wunder) im Hotel "La Chaumière" an.
Am nächsten Tag war der Himmel etwas verhangen, was unsere
Beach Boys wieder zum eifrigeren Gebrauch des "Bicyclette"
ermunterte. So erklommen wir im Schnellzugstempo den Col des Aravis
und danach gleich noch den Col des Saisies. Dieser wird uns als ein
feuchtfröhlicher Ort in Erinnerung bleiben. Nach der
Rückfahrt über einen Col de la Forclaz waren wir uns einig,
dass wir am Mittwoch unseren "jour sans" einziehen wollten, sans
vélo, versteht sich. So stand statt Satteldrücken
Wassersport, Beachvolleyball und Go-Kart-Fahren auf dem Programm.
Gut erholt starteten wir am Donnerstag zur Königsetappe, wo
wir auf den Pfaden der Tour de FranceCracks wandeln wollten. Unser
Profi und unser Student konnten ihre Neugierde im Zaun halten und
kehrten auf einem Col de la Forclaz wieder um. Der Rest machte sich
auf, die legendäre erste Alpenetappe der Tour 1996 zumindest
teilweise nachzuvollziehen. Auf der Fahrt nach Beaufort fiel
allerdings keiner in einen Bach (so wie Rominger), niemand opferte
sich sinnlos für seinen Leader (so wie Once für Jalabert),
aber alle litten etwa so wie Stéphane Heulot im Aufstieg zum
Gormet de Roselend, mit Ausnahme von Martin, der wohl Laurent Dufaux
imitieren wollte. Während Patrick, Marco, Marcel und Stefan auf
der Passhöhe den weisen Entschluss fassten, umzukehren und
wieder auf dem selben Weg heimzufahren, wollten Mathias, Martin und
Peter unbedingt noch die Abfahrt nach Bourg-St-Maurice besichtigen,
in der Alex Zülle und Johan Bruyneel so spektakulär
gestürzt waren. Nach diesem Beitrag zur Horizonterweiterung
wollten die drei über den Gormet d'Arèches den Heimweg
antreten.
Diese Fahrt wird und muss in die Geschichte des Vereins eingehen,
wechselte doch der Belag der Passstrasse, die auf der Karte als
"autre route" bezeichnet wird, von akzeptablem Teer zu frischem
Rollsplitt (in den steilsten Passagen...) und schliesslich auf den
letzten sieben Kilometern bis zur Passhöhe in eine Mischung aus
Geröll, Staub und Schotter über. Nach einer äusserst
mühsamen Fahrt erreichten wir mit unseren Rennräder auf
2108 Metern über Meer eine Alpenklub-Berghütte, wo wir von
Gestalten in Helly-Hansen-Jacken empfangen wurden. Deren
Gesichtsausdruck drückte sowohl Verblüffung, Belustigung
als auch komplettes Unverständnis aus. Solche Wesen in einer
derartigen Aufmachung hatten sie wohl noch nie diesen Bergwanderweg
heraufwürgen sehen! Dennoch offerierten sie uns grosszügig
ein Salamibrot, ehe wir uns bei bereits nahendem Sonnenuntergang auf
die verbleibenden 90 Kilometer machten. Nach weiteren sieben
Kilometern Bachbett erreichten wir endlich wieder eine befahrbare
Strasse. Jetzt hiess es Kette rechts, und, obwohl wir noch über
einen Col de la Forclaz mussten, erreichten wir das Hotel noch bevor
Steff sein fünfgängiges Menu schon ganz beendet hatte.
Nach dieser Parforceleistung konnten sich am letzten Tag doch noch
fast alle dazu aufraffen, noch einen letzten Pass, den Col de la
Colombière zu bezwingen. Danach war aber endgültig
Schluss, die Velos wurden auf den Bus verladen und wir machten uns
auf den weiten Heimweg. Zuhause wurden wir natürlich von
strömendem Regen empfangen, der bekanntlich erst etwa Ende
September wieder aufhörte. Den Abschluss der gelungenen Woche
bildete ein Grillabend bei Kuhns mit anschliessendem
Volleyballturnier.
Es lebe die Ferientour 1997!
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