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Ferientour-Tagebuch 1998 (Allgäu)
Sonntag, 5. Juli 1998 (Uzwil-Wolfholz)
Traditioneller Besammlungsort war bei Fam. Eilinger in
Niederuzwil. Nach der Stärkung mit Kaffee und Gipfeli gings um
9.50 Uhr los, vier Rennvelofahrer (Mathias, Marcel, Toni und Emilie)
und zwei Bikerinnen (Sibylle und Silvia) mit zwei Begleitfahrzeugen,
die von Claire und Rosmarie pilotiert wurden. Erster Treffpunkt war
nach ca. 45 km am Zoll St. Margrethen. Nach der Weiterfahrt stoppten
uns zwei Defekte. Beim zweiten Treffpunkt in Scheffau freuten wir uns
auf das bevorstehende Mittagessen. Nach weiteren 30 km trafen wir in
Weitnau ein. Nach Käse und Brot fuhren die drei männlichen
Kollegen entgültig allein weiter. Es folgte eine turbulente
Irrfahrt der Begleitfahrzeuge im Allgäu, da konnte nur eine
Karte helfen?! Um 18.45 Uhr trafen wir im Ferienhaus Weber in
Wolfholz bei Aitrang (das liegt zwischen Kempten und Kaufbeuren) ein.
Wolfholz besteht aus sechs Bauernhöfen und unserem Ferienhaus.
Es wird bewohnt von einer Handvoll freundlicher Bauersleut', etwa
zweihundert Kühen und einer Menge Kleinvieh. Familie Kuhn (Ursi,
Peter und Adina), welche eine zweitätige Tour hinter sich hatte,
erwartete uns bereits. Nach 160 km Velofahrt trafen um 19.00 Uhr auch
die ziemlich erschöpften Rennfahrer ein.
In der Küche wurde in der Zwischenzeit bereits eifrig
gewirkt. Spaghetti Napoli, Gemüse und Bratwürste standen
nach einer guten Stunde auf dem Tisch. Marcel verfütteterte auch
noch die Portion für seinen zu Hause gebliebenen Bruder...
Später sassen wir bei Kaffee und Kuchen gemütlich
beisammen.
Wir freuen uns auf die bevorstehende Woche und hoffen auf gutes
Wetter!
Montag, 6. Juli (Wolfholz)
Nach den Anstrengungen vom Sonntag gönnten wir uns heute ein
etwas leichteres Programm. Mathias hatte eine Runde über
Kaufbeuren-Lechbruck-Marktoberdorf ausgesucht. Bei erneut heftigem
Wind (zum Glück mehrheitlich von hinten) spulten wir die nicht
ganz 100 Kilometer ab. Peter, angetrieben von einer Extraportion
Zwiebeln, machte im Finale im Seitenwind so viel Dampf, dass Mathias
etwas Mühe bekundete: Er vermochte Emilie nicht mehr zu stossen.
Vielleicht kann Viagra hier helfen?
Silvia und Sibylle streiften 50 Kilometer durchs Allgäu auf
der Suche nach frischen Brötchen. Den Erfolg werden wir morgen
sehen. Unsere Küchenchefinnen machten sich auf in die Stadt, wo
sie hofften, unser sauer verdientes Geld verprassen zu können.
Mathias' Postcard machte ihnen aber einen dicken Strich durch die
Rechnung.
Am Abend stiessen noch die letzten drei Ferientour-Teilnehmer zu
uns. Patrick führte unseren Junioren David und Severin die
Schönheiten des Bregenzerwaldes so deutlich vor Augen, dass am
Schluss über 180 Kilometer auf dem Tacho leuchteten. Zum
Glück durften sie gleich am Tisch Platz nehmen und die
verpufften Kalorien mit Hörnli und Gehacktem (und Apfelmus!)
wieder ersetzen.
Dienstag, 7. Juli (Wolfholz)
Die miserable Wetterprognose für Mitte Woche verleitete uns,
schon heute eine Tour in die alpineren Regionen des Allgäus zu
wagen. Bei Sonnenschein fuhren wir um zehn Uhr los, doch schon nach
wenigen Kilometern fing es das erste Mal an zu regnen. Dies war umso
unangenehmer, als in diesen Gegenden die Kühe offenbar auf der
Strasse weiden. Vor lauter Konzentration, nicht ständig in die
Scheisse zu fahren, verpassten wir eine Abzweigung. Der Wegweiser
zeigte zwar richtig nach Wertach, doch die Strasse mutierte von einem
hochprozentigen Strässchen über einen Fahrweg zu einem
Wanderweg und schliesslich in eine Alpweide. Wie eine Herde Kühe
trotteten wir auf die Anhöhe. Oben angekommen, entlud sich der
nächste Wolkenbruch. Im "Hirsch" in Wertach suchten wir
Zuflucht, wo wir uns wieder versuchten aufzuwärmen. Dies gelang
aber erst, nachdem alle Löcher zu waren. Am Nachmittag ging es
weiter durch eine menschenleere Gegend nach Sonthofen und dann hinauf
zum Haupthindernis des Tages, dem Oberjoch. Von dort ging es bei
Rückenwind und einigen weiteren Regengüssen in flottem
Tempo nach Hause.
Mittwoch, 8. Juli (Wolfholz)
Der heutige Tag fiel dem Regen, der Kälte, dem Wind und dem
Hagel zum Opfer. Diejenigen, die trotzdem noch 80 Kilometer
abspulten, kamen völlig durchfroren in Wolfholz wieder an,
während Toni und Emilie schon längstens in der warmen Stube
hockten und heissen Tee für die Jungs bereithielten.
Diejenigen, welche die Entwicklung des Wetters dank jahrelanger
Naturbeobachtung besser einschätzen können, verbrachten den
Tag im geheizten Hallenbad oder mit dem Studium der deutschen
Beamtenherrlichkeit.
Donnerstag, 9. Juli (Wolfholz)
Heute schien zur Abwechslung am Morgen wieder einmal die Sonne und
lockte uns zu einer Tour ins Unterallgäu über 140 Km.
Jedoch bereits beim Start führte uns der Weg mit der Kirche ums
Dorf und die Zusatzkilometer wurden bereits zu Beginn absolviert. Auf
dem richtigen Weg wurden wir immer wieder durch Baustellen an unserer
zügigen Fahrt gehindert, was uns eher an ein Quertraining
erinnerte.
So weit so gut: Die Gegend ist auch hier schön, aber von
Fremden werden die Dörfer anscheinend selten heimgesucht. So
jedenfalls lässt es sich erklären, dass in einem kleinen
Dorf der Pöstler mit seinem gelben Velo - beladen mit
Päckli und Briefen - unsere Fahrt ohne Rücksicht auf die
Vortrittsregeln "wie ein gelber Pfeil" kreuzte.
Vom Schreck erholt, stemmten sich alle in den heftigen Gegenwind,
um möglichst schnell unser Ferienhaus wieder zu erreichen, denn
die Wolken am Himmel verhiessen schon wieder nichts Gutes. Der Wind
war aber heute so heftig, dass er uns in einer steilen Abfahrt in
einer Kurve beinahe das Rad wegriss. Nochmals Glück gehabt!
Freitag, 10. Juli (Wolfholz-Uzwil)
Trotz des meist schlechten Wetters verging die Zeit wie im Fluge,
und schon hiess es wieder Abschied nehmen von unserem
Bauerndörfchen. Dank früher Tagwach konnten wir schon um
Viertel nach neun losfahren. Praktisch ausnahmslos auf Nebenstrecken
trafen wir etwa drei Stunden später beim Treffpunkt Zoll Neuhaus
(bei Bregenz) ein. Nach einem deftigen Mittagessen verliessen wir die
deutschen Lande und strebten der Heimat zu. Die letzte halbe Stunde
wurde noch einmal heftig geschraubt, um den Schnitt in die Höhe
zu treiben. Leider blieb er aber dennoch knapp unter 30 km/h (bei
ständigem Gegenwind).
Um sieben Uhr trafen wir uns dann bei der Familie Eilinger, wo wir
es uns bei Grilladen, Salaten und weiteren Leckereien gut gehen
liessen. Einmal mehr ganz herzlichen Dank, speziell an unsere
Köchinnen Claire und Rosmarie und an Grillchef Toni!
Die Ferientour 1998 war eine rekordverdächtige Austragung. 14
Teilnehmer, davon 7 Frauen, trotz Sauwetter über 800 km in sechs
Tagen abgespult (Mathias war der ausdauerndste), keine
Wirtshausbesuche nach vier Uhr nachmittags (mangels Gelegenheit), das
beste Essen usw. Ist 1999 noch eine Steigerung möglich?
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