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 | | Erlebnisbericht Patrick Buschor: Gigathlon 2000 |  |
DIE TEILSTRECKEN
| MOUNTAIN-BIKE: |
Castasegna - Savognin |
48 km |
2000 Höhenmeter |
| RENNVELO: |
Savognin - Niederurnen |
122 km |
1500 Höhenmeter |
| INLINE SKATES: |
Niederurnen - Lachen |
28 km |
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| SCHWIMMEN: |
Lachen - Rapperswil |
3.5 km |
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| LAUFEN: |
Rapperswil - Zürich |
42.5 km |
500 Höhenmeter |
Durch die Fototermine für einen Vorbericht in der Zeitung stieg auch die
Anspannung. Die Nervosität war aber minim, denn ich wusste, dass ich gut
vorbereitet war.
Etwas gutes hatte das Wetter, es war stabil... schlecht. Dadurch wusste
man, dass unbedingt genügend warme Kleider eingepackt werden müssen. Die
Anfahrt organisierte ich zusammen mit dem Team unseres verstärkten Veloclub`s
Uzwil. (Mannschaft Piero Zurino) Von einer Giga-Lady 98 konnte ich noch
wichtige Tip`s entgegen nehmen und die Freude auf die bevorstehende
Herausforderung steigern. Auf dem Julier sahen wir die schneebedeckten Hänge,
welche sich allerdings nicht so massiv verschneit präsentierten wie
angenommen. Im Bergell war es abgesehen von ein paar kurzen Spritzern
trocken, womit das Einrichten recht angenehm war.
Nachdem ich mir den Wetterbericht nochmals anhörte, machte ich mich ans
'Einrichten der Wechselzonen'. In diesem Falle hiess dies, abpacken in
Plastiksäcke und den Betreuern Anweisungen dazu abgeben. Bei diesem Wetter
war es wichtig, dass in jeder Wechselzone warme trockene Kleider bereit waren.
Die Athleten-Info war eine Frechheit. So spät angesetzt, dann allgemeines
bla-bla, Film des letzten Gigathlon und dann irgendwann (ich war schon am
schlafen oder versuchte es wenigstens) die Info`s zum Wettkampf. Um feuchten
Unannehmlichkeiten vorzubeugen übernachtete ich in meinem Van.
Als ich um halb vier, nach keiner allzu guten Nacht aufstand, konnte ich
mit Erleichterung trockenes aber doch frisches Wetter feststellen und so war
auch bald klar, dass der Septimerpass im Programm blieb.
Die Anfahrt zum Bikestart vom Camp in Vicosoprano nach Castasegna war
etwas ganz spezielles, es herrschte gespannte Ruhe. Der Start selber war
etwas komisch, es wurde einfach mal losgelaufen. Ich wollte betont locker
starten, ich musste mich aber richtiggehend dazu zwingen. Schon bald verlor
ich mein Ersatzpneu, ich war jedoch schon so im Wettkampffieber, dass ich ihn
liegen liess und hoffte es später nicht zu bereuen. Die Strecke das Bergell
hoch, in der Morgendämmerung war herrlich und als etwas weiter oben der Blick
sogar bis ins Oberengadin reichte, war`s fast wie im Traum. Ich war auch so
locker unterwegs, dass ich es richtig geniessen konnte. Den Aufstieg zum
Septimerpass mit der Laufstrecke hatte ich mir viel schwerer vorgestellt. Vor
der Passhöhe, im Schnee, wurde ich an den Wintertriathlon erinnert, denn
durch vereiste Bikeschuhe kam ich nicht mehr in die Pedalen. Am Kontrollposten
auf dem Pass wollte ich Wasser nachfassen, ich wurde aber direkt an den
nebenanstehenden Brunnen verwiesen, wo aber flüssiges Eis zum Hahn raus
floss. In der Abfahrt musste man ganz konzentriert sein, da sich ganze
Rinderherden auf der Strasse tummelten. Geschenkt wird einem am Gigathlon
gar nichts, deshalb wurde nach Marmorera auch noch eine Gegensteigung
eingebaut. Ich traute meinen Augen nicht, denn ich erblickte Mathias,
den Biker unseres Veloclub`s, den es brutal aufgestellt hatte. Es sollte
aber das einzige mal bleiben, wo ich vor dem Team lag.
In Savognin vollzog ich einen kompletten Kleiderwechsel, obwohl ich
trocken geblieben war. Da ich aber aus Kleidertechnischen Gründen, bis
dahin keine Velohosen des Sponsors c&m trug, war es selbstverständlich
diesen Wechsel in Kauf zu nehmen.
Die Velostrecke begann gleich mit der Steigung nach Mon. Ich lernte hier
oben eine wunderschöne Alternative zur Hauptstrasse kennen, welche in einer
rasanten Abfahrt nach Tiefencastel den Höhenpunkt hatte. Auf der Lenzerheide
fuhr man in Nebelschwaden und wenig später begann es dann auch schon zu
regnen. So wurde es in der Abfahrt unangenehm kalt, obwohl ich die passende
Bekleidung trug. Ebenso schlimm waren auch die rücksichtslosen Autofahrer,
welche es nur schwer verkrafteten, dass man auf 2 Rädern schneller nach Chur
kam. Die Idee, dass meine Helfer etwas warmes bereit halten sollen erwies
sich als goldig und eine herzliche Umarmung beim Kontrollposten trug auch
dazu bei, dass ich gleich wieder ein gutes Gefühl hatte. Meine Moral wurde
nur dadurch getrübt, dass ich glaub der einzige war, welcher den ganzen Tag
kein Windschatten fuhr. Ein Konkurrent konnte ich im Gespräch überzeugen auch
fair zu fahren, ein anderer, welcher nichts wissen wollte, musste ich in
Velofahrer-Manier deponieren. Der Typ fuhr einer Team-Frau nach, ich fuhr
dazwischen und lies ein Loch aufgehen. Als wir etwa 50m Rückstand auf die
Frau hatten, machte ich einen kleinen Zwischenspurt und schwupp da war`s um
ihn geschehen. Doch ca. 40km überholte er mich wieder... in einer 8-er-Gruppe!
An der Steigung vom Kerenzer wurde ich von einer Gruppe Arbeitskollegen/innen
mit einem grossen Transparent empfangen und von da an begleiteten sie mich
mit zunehmender Verstärkung bis auf den Pfannenstiel.
Ich wusste nicht was mich beim Inlinen auf nasser Strasse erwartete! Kann
man da überhaupt abstossen? Zu meinem grossen erstaunen war`s ziemlich
problemlos und eigentlich machte es einen sauspass! ... bis ich am Tag danach
die Rollenlager sah... die konnte man nämlich wegwerfen!
Auch diese 3. Diszlipin habe ich völlig locker absolviert und ich fühlte
mich auch dementsprechend. So sah es gut aus, um einen Super-Marathon zu
laufen, aber zuerst ging`s ja noch ins Wasser! ... schon begannen die
Probleme. Zuerst beging ich einen äusserst dummen Fehler; ich griff mit den
fettigen Händen (Fett für erleichtertes anziehen des Neopren-Anzug) in die
Schwimmbrille, was eine sehr schlechte Sicht zur Folge hatte. Wasser hatte
ich auch immer in den Augen, so musste ich x-mal stoppen und es von neuem
versuchen. Nach 500m bekam ich auch schon Beinkrämpfe. Bei Wassertemperaturen
von 14 bis 15.5° auch kein Wunder. Schon eher ein Wunder war, dass ich,
wie alle ersten 30 Single`s (die folgenden konnten laufen) wieder zum Wasser
ausstieg! Davor glaubte ich aber kaum mehr daran, die Strecke schien endlos
und der Körper war immer mehr unterkühlt. Ich hielt Ausschau nach der 'Insel'
welche ich aber nicht fand, so steuerte ich auf ein Rettungsboot, wo ich
richtiggehend aus dem Wasser gezogen werden musste. (Total verkrampfte Beine)
Nun endlich konnte ich aber die Wechselzone sehen und so konnte ich von den
Helfern auf dem Boot nicht am weitermachen gehindert werden. Irgendwie
schaffte ich es ans Land zu kommen, was ich da aber meinen Leuten bot war
auch für diese nicht angenehm. Meine Wahrnehmung war ebenfalls stark reduziert
und die Foto`s welche ich später vom Ausstieg zu sehen bekam, brachten mich
selber fast zum kotzen...
Ans Aufgeben dachte ich aber schon lange nicht mehr, jetzt lief vieles wie
in einem Film ab. Ich zog mich sehr warm an und los ging`s... oder doch nicht
so rassig?! Der Laufschritt war zum Heulen, die Füsse schleifte ich
richtiggehend nach. Irgendwann kam ich in den Rhythmus, nur in einen viel zu
langsamen. So wurde ganz und gar nichts mit einem Super-Marathon und ich
ärgerte mich etwas darüber, dass ich bis zum Schwimmen soviel Kraft gespart
hatte und ich sie nun doch nicht mehr einsetzten konnte. Wenn mich wieder
jemand im Top (leichte Bekleidung) überholte, versuchte ich die Handschuhe
und das Stirnband abzuziehen, doch da hatte ich gleich wieder zu kalt. Eines
blieb aber auch bei diesem Lauf gleich, musste wieder einige male in die
Büsche. Da ich nun ganz nahe beim Wohnort Männedorf durchlief sah ich einige
bekannte Gesichter und die Laufstrecke erinnerte mich auch an bessere
(Lauf-)Zeiten. Ab der Forch war wieder alles neu für mich und der Lauf ob
der Stadt war in der Abenddämmerung wunderschön. So hätte ich noch weit
laufen können, nur eben halt so langsam und schneller ging`s einfach nicht.
Beim letzten Kontrollposten wurde mir mitgeteilt, dass ich an 3. oder 4.
Stelle liege, und da ich mir sicher war, den knapp vor mir laufenden
Kontrahenten noch überholen zu können, sah ich mich trotz allem auf dem
Podest. Mit gar nicht so langsamen 2 letzten km konnte ich dann eben noch
ein Platz gutmachen ... und wurde doch nur 4. (Auch für offizielle war der
Tag lang!)
Der Einlauf ins Hallenstadion war speziell, denn früher fuhr statt lief
ich auf der Radrennbahn. Das Finishen war überwältigend, ...und um so herzlich
empfangen zu werden darf man durchaus weite Wege gehen! Nur eines fehlte
am Ziel, ... ein Brügelli! (Es wurde mir am Freitag doch so versprochen!)
Wenn ich Disziplin für Disziplin nochmals ablaufen lies ging der ganze Tag
sehr schnell vorüber und ich erlebte immer wieder spezielle Augenblicke.
Am Sonntag war schon wieder ein Gigathlon, aufräumen und waschen war
angesagt. Beschwerden haben mich keine an den Vortag erinnert, nur das
Telefon klingelte fast pausenlos, von überall wurde nachgefragt und
gratuliert. Auch dies war mal ganz schön.
Auch wenn mir mein Betreuer Martin einen Zehen beim Wechsel zum schwimmen
gebrochen hat, an dieser Stelle besten Dank an Ihn und meinen Vater welcher
als 2. Betreuer dabei war. Dank auch an mein Sponsor c&m, Männedorf an
alle Freunde und Bekannte an der Strecke (und die welche sonst noch den
Daumen hielten), welche mich unterstützt haben, Danke!
Das ich beim Laufen gar nicht ans angestrebte Limit gehen konnte, wurde in
der Erholung zum Vorteil, denn ich fühlte mich schon sehr bald wieder gut
zwäg, so kann ich schon bald optimistisch zum nächsten Highlight starten.
Dem Inferno-Triathlon.
Zum Schluss doch noch ein Negativpunkt, neben der Fairness von zu vielen
Teilnehmern. Das ewz-Konzert, welches ja doch ein ziemlicher Flop war,
bringt uns Teilnehmer so gar nichts. Man hätte besser eine
Giga-Finisher-Party organisiert. Mit dem Zieleinlauf war`s leider gelaufen.
Ich hoffe, dass mit unseren Startgeldern nicht die Band`s bezahlt wurden.
Das Tikett welches wir erhielten war auch ein Witz, wir wollen unsere
Bekannten doch zu unserer Unterstützung am Wettkampf.
Trotzdem besten Dank dem Veranstalter und gute Vorbereitung für den City
Power Gigathlon 2002. Besorgt dann aber bitte einige Schiedsrichter, denn
es geht leider nicht ganz ohne. Ich freue mich jetzt schon riesig auf die
Herausforderung in 2 Jahren.
Patrick Buschor
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