 | | Rennbericht 'Rund um den Bühler' 1998 |  |
14. April 1998: Nasskaltes Aprilwetter beim Kriterium "Rund um
den Bühler"
Philipp Buschor's Heimsieg zum Jubiläum
Das nationale Kriterium in Uzwil wurde eine Beute des Zuzwiler
Profiradrennfahrers Philipp Buschor. Er siegte denkbar knapp nach
einem überaus spannenden Finale vor Rolf Järmann aus
Zihlschlacht. Dritter und bester Amateur wurde überraschend der
Espoirs-Fahrer Martin Rast aus Räterschen.
pku. Der ganze Renntag in Uzwil litt unter misslichsten
Wetterbedingungen. Regen, Schnee und ein eisiger Wind erschwerten die
Rennen aller Kategorien und stellten auch an die dennoch in
erstaunlicher Zahl aufmarschierten Zuschauer erhöhte
Anforderungen. Trotz der stetigen Nässe und Kälte konnten
alle Kategorien programmgemäss und ohne Unfälle
durchgeführt werden.
Blitzstart morgens um neun
Morgens um neun hatten als erste, wie konnte es auch anders sein,
die Militärradfahrer anzutreten. Trotz Temperaturen knapp
über dem Gefrierpunkt wurde vom Start an kräftig in die
Pedale getreten, was schon nach der ersten Runde zu einer
vollständigen Aufsplitterung des Feldes führte. Vorne
fuhren die Favoriten Urs Glogger (Münsingen) und Daniel
Markwalder (Kreuzlingen) auf und davon. Erfreulicherweise ebenfalls
in dieser Spitze Unterschlupf gefunden hatte Mathias Eilinger
(Rickenbach), der als Streckenchef schon drei Stunden strenge
Aufbauarbeit in den Beinen hatte. Während hinten sich wieder ein
grösseres Feld formierte und verbissen den Anschluss
wiederherzustellen versuchte, kämpfte vorne das Spitzentrio um
die Wertungspunkte, die in jeder Runde vergeben wurden. Schliesslich
schwang mit nur einem Punkt Vorsprung der kleingewachsene Berner Urs
Glogger obenauf. Der Thurgauer Daniel Markwalder als Zweiter und der
Dritte Mathias Eilinger vom RMV Uzwil-Oberbüren
vervollständigten das erste Siegerbild. Bemerkenswerterweise gab
von den 34 Gestarteten trotz teilweise grosser Rückstände
keiner das Rennen auf.
Nachwuchskategorien begeisterten das Publikum
Die Anfänger (Jahrgang 1982 und 83) zeigten den Zuschauern
sehr schnell, das der Name ihrer Kategorie nicht viel mit ihrem
Können zu tun hat. Nicht zuletzt wegen den in jeder Runde
durchgeführten Wertungsspurts kam nie Langeweile auf. Thomas
Zäch aus Buchs erwies sich als der Zäheste und siegte mit
grossem Vorsprung auf Stefan Horber (VC Fischingen) und Andreas
Dietziker (RMV Elgg). Das Juniorenrennen (Jahrgang 1980 und 81) wurde
dominiert von Michael Albasini aus Lanterswil (RV Bürglen). Er
siegte bei "Rund um den Bühler" bereits zum vierten Mal (1991
und 94 bei den Schülern, 1996 bei den Anfängern) und
avancierte damit zum Rekordsieger in Uzwil. Roger Christen (RV Arbon)
und Christian Eichholzer (VC Fischingen) hatten das Nachsehen.
Achtbar zogen sich die fünf jungen Rennfahrer des RMV
Uzwil-Oberbüren aus der Affäre, aber leider ohne ein
Spitzenresultat zu erzielen.
Erstmals Inline-Skater
Der Versuch des Veranstalters, erstmals Inline-Skater um den
Bühler kurven zu lassen, wurde von Petrus schlecht belohnt.
Diejenigen, die dennoch die Rennen unter die Füsse
beziehungsweise Rollen nahmen, zeigten dem Publikum attraktiven
Sport. Schon der vierzehnjährige Nikki Jau, der die
Schülerkategorie gewann, erreichte eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von über 23 km/h. Beinahe mit 30
Kilometern pro Stunde war Marco Rüttimann aus Goldach unterwegs,
der Sieger der Kategorie Speed.
Spannendes Hauptrennen
Das Hauptrennen der acht Profi und 26 Elitefahrer wurde von Beginn
weg auf Angriff gefahren. Die GS Ericsson-Villiger, mit sieben
Fahrern zahlenmässig am besten vertreten, drückte vehement
aufs Tempo. Martin Rast, 21jährige Radsporthoffnung aus
Räterschen, gewann gleich die ersten drei Wertungen in Serie.
Mit zunehmender Distanz begann aber die Ostschweizer
Trainingsgemeinschaft Buschor-Järmann immer besser zu
harmonieren. Zuerst setzte sich der Tirreno-Adriatico-Sieger Rolf
Järmann in Szene und realisierte einen Solo-Rundengewinn. Vier
weitere Fahrer, darunter Philipp Buschor sowie Martin Rast und Simon
Steiner von Ericsson-Villiger, taten es ihm wenige Runden später
gleich.
Risi fast erfroren
Unterdessen forderte das andauernde Schneetreiben seinen Tribut.
Etliche Fahrer stiegen schlotternd vom Rad und gaben das Rennen auf,
darunter die Bahncracks Bruno Risi und Roger Furrer. «Nach zwei
Wochen Training in der Sonne Mallorcas bin ich hier fast erfroren.
Ich hatte so klamme Finger, dass ich gar nicht mehr schalten und
bremsen konnte», meinte der enttäuschte Sechstagestar Risi
nach dem Rennen. Auch Mountainbike-Star Thomas Frischknecht war nach
einem vierwöchigen Aufenthalt in Hawaii und Kalifornien nicht
auf die Kälte vorbereitet. Er biss sich aber durch und wurde
noch Elfter.
Klasse setzte sich durch
An der Spitze entzogen sich Järmann und Buschor einzeln der
Bewachung durch die Ericsson-Fahrer. Sieben Runden vor Schluss setzte
der 27jährige Buschor zu einem unwiderstehlichen Endspurt an.
Sekunde um Sekunde stieg sein Vorsprung an, und die magische 30
Sekundengrenze rückte näher und näher. Rolf
Järmann, nach Punkten deutlich in Führung, fand bei den
Verfolgern keine Unterstützung mehr. 32 Sekunden Vorsprung auf
Järmann zeigte der unbestechliche Chronometer schliesslich auf,
was den ersten Profisieg für Philipp Buschor bedeutete.
«Dieses Jahr war "Rund um den Bühler" für mich
härter als Paris-Roubaix» erklärte der trotz seiner
Niederlage zufriedene Zweite Rolf Järmann im Ziel. «Das
Rennen in der Hölle des Nordens konnte ich nämlich in der
warmen Stube vor dem TV-Gerät verfolgen». Philipp Buschor,
von der Kälte gezeichneter als der robuste Järmann, war
überaus glücklich und widmete seinen ersten Profisieg
seinem Stammverein RMV Uzwil-Oberbüren zum 25jährigen
Bestehen. Martin Rast, hervorragender Dritter von der GS
Ericsson-Villiger, erfüllte laut Ignaz Keller, dem rührigen
Manager der jungen Equipe, die Erwartungen vollauf. Mit vier Fahrern
unter den ersten sechs waren sie die überlegene Mannschaft an
diesem kalten Ostermontag.
Dank des Veranstalters
Der veranstaltende Verein RMV Uzwil-Oberbüren dankt allen
Zuschauern, die trotz des miserablen Wetters den Weg an die Strecke
gefunden haben. Ein grosser Dank geht natürlich auch an die
vielen kleinen und grossen Sponsoren und Gönner, ohne die ein
solcher Anlass nicht durchführbar wäre. Der RMV Uzwil
hofft, dass beim nächsten «Rund um den Bühler" auch
meteorologisch wieder die Sonne scheint und dann das Rennen vor einer
noch grösseren Zuschauerkulisse ausgetragen werden kann.
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