 | | Bericht 3. September 2003 |  |
| GP-TELL-Tagebuch von Marcel Schilliger |
Vom 27. - 31. August wurde in der Innerschweiz der GP-Tell ausgetragen.
Dies ist eine fünftägige Rundfahrt für die Nachwuchskategorie U23 mit
Weltcupstatus. Das Rennen war mit 8 Nationalmannschaften von insgesamt
17 Teams sehr gut besetzt. Die erste Etappe führte "nur" über 80 km. Die
kurze Distanz hatte es aber in sich. Die Rundendistanz betrug 10 km und
wurde 8 mal zurückgelegt. Der Berg war mit 20% sehr steil. In der
Anfangsphase des Rennens konnten sich 12 Fahrer absetzen. Das Feld kam
geschlossen eine Minute nach dieser Gruppe ins Ziel. Ich konnte gut mithalten
und wurde 33. Ein Kasache gewann die erste Etappe. Der Zuschaueraufmarsch
war super.
Die zweite Etappe führte über 120 km, mit einem 3,5 km langem
Schlussanstieg. Es wurde von Anfang an schnell gefahren. Bei Kilometer 80
war ich eine Sekunde unaufmerksam und wurde sogleich bestraft. Ich kollidierte
mit einer Verkehrsinsel. Nach dem Sturz konnte ich den Anschluss zum Feld mit
viel Mühe wieder herstellen. Danach verarztete mich der Tourarzt, mein Knie
schmerzte sehr. Es wurde eine starke Prellung diagnostiziert. Bei der nächsten
Steigung musste ich feststellen, dass meine Schaltung beim Sturz beschädigt
wurde. Ich musste auf das Ersatzvelo umsteigen. So verpasste ich den Anschluss
ans Feld. Das Ziel durchfuhr ich mit einem Rückstand von 15 min. In den
Dörfern standen alle Schüler an den Strassen. Die Durchfahrt des GP Tell hat
ihnen sicher gefallen.
Die dritte Etappe führte über Ibergeregg, Sattelegg und Pragelpass. Die
Wetteraussichten waren schlecht, Regen wurde vorausgesagt. Er setzte zum Glück
erst vor dem Pragel ein, dafür umso heftiger. An der Ibergeregg musste ich
schon früh erkennen, dass heute nicht mein Tag ist. Die Beine waren sehr
schwer, aber das Knie war eigentlich wieder in Ordnung. Ich fiel ins Gruppeto
und beendete auch dort das Rennen, mit 30 min Rückstand auf den Russischen
Sieger. Die Abfahrt vom Pragelpass war bei diesem Regen sehr schwer zu
bewältigen. Jimmy Tapperel aus meiner Mannschaft zeigte eine super Leistung
und wurde Vierter.
Der vierte Tag bestand aus zwei Etappen. Am Morgen 75 km "einrollen" und
am Nachmittag ein Einzelzeitfahren über 24 km. Meine Beine waren schon vor
dem Start müde. Die 75 km lange vorwiegend flache Etappe wurde mit einem
Schnitt von 47 km/h zurückgelegt. Im Sprint konnte ich nicht mehr mitmischen,
ich wurde zeitgleich mit dem Sieger 61.
Das Zeitfahren am Nachmittag war etwas für die Techniker. Sehr viele
Kurven, enge Strassen, Wind, zum Teil nass und ein stetiges rauf und runter.
Ich merkte schon früh dass ich kraftlos war. Nach 20 min wurde ich überholt,
dann war ich endgültig am Ende. Ich verlor 6 min auf den Sieger.
Für die letzte Etappe wurde noch einmal ein Grosskampf vorausgesagt. Der
Zweitplazierte lag nur eine Minute hinter dem Leader. Wir wurden im Regen auf
die letzten 145 km geschickt. Nach 70 km kam endlich die wärmende Sonne.
Zeitweise wurde extrem schnell gefahren, es passierte aber nichts
entscheidendes. Der Sieger wurde im Sprint erkoren. Der Russe Vladimir Gusev
gewann das Gesamtklassement des GP Tells. Seine Mannschaft hat vorbildlich
gearbeitet, auch bei den U23 kann keine Rundfahrt ohne eine Mannschaft
gewonnen werden.
Für mich war dieser GP Tell super, trotz meines Sturzes. Ich konnte viel
erleben und lernen. Mit unserer Mannschaftsleistung konnten wir eigentlich
zufrieden sein. Ein Sieg lag nicht drin, aber ein 8. Gesamtrang von Jimmy ist
ein beachtliches Resultat. Ich beendete die Rundfahrt auf dem 61. Rang. Erich
Kunz konnte zur letzten Etappe nicht mehr starten. Er hatten die ganz Nacht
erbrochen. Sonst hätten wir die Rundfahrt vollzählig beendet.
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