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12. Nat. Rad- und Inlinekriterium 'Rund um den Bühler' in Uzwil

Erster Saisonsieg für Alex Zülle?

Am Sonntag, 28. März findet in Uzwil mit Start und Ziel an der Bahnhofstrasse zum 12. Mal das nationale Rad-Kriterium «Rund um den Bühler» statt. Dabei erhält das Publikum die Gelegenheit, mit Alex Zülle den erfolgreichsten Ostschweizer Radsportler aller Zeiten im Einsatz zu sehen.

In den Dutzend Jahren, während denen Alex Zülle schon das Metier des Berufsradsportlers ausübt, kann man seine Starts in der Ostschweiz an einer Hand abzählen. Unvergessen bleibt dabei der grossartige Sieg im Bergzeitfahren auf die Schwägalp an der Tour de Suisse 1995. Die Organisatoren vom RMV Uzwil mit Emilie Lienhard an der Spitze können sich also glücklich schätzen. Dank den hervorragenden Beziehungen des OKs mit dem Ex-Profi Philipp Buschor als Vermittler gelang es nach einigen vergeblichen Anläufen, den gebürtigen Wiler für einen Start in Uzwil zu gewinnen. Dabei trifft der Zeitfahr-Weltmeister von 1996 auf ein grosses und starkes Elitefeld, das er mit der Unterstützung von nur zwei Helfern seines Phonak-Teams (Ex-Schweizermeister Martin Elmiger und Gregory Rast) im Zaum halten muss. Zülle, der Kriterien eigentlich wenig abgewinnen kann und seine über fünfzig Profisiege mehrheitlich in Zeitfahren und an Rundfahrten errungen hat, antwortet denn auch auf die Frage nach seinem härtesten Rennen: "Ich denke, mein härtestes Rennen wird in Uzwil sein...".

Dopingaffäre belastete die Karriere

Die Karrierekurve des jungen Berufsfahrers Alex Zülle zeigte Mitte der neunziger Jahre immerfort steil nach oben. Ein zweiter Platz an der Tour de France 1995 mit einem sensationellen Solo-Etappensieg, ein Double an der Vuelta 1996 und 1997, der Titel des Zeitfahrweltmeisters in Lugano - Zülle gehörte in dieser Zeit zu den besten fünf Radprofis weltweit. Der Wechsel vom spanischen Once-Team zur französischen Erfolgsmannschaft Festina sollte Alex Zülles Karriere in neue Höhen befördern. Der totale Einbruch am Giro d'Italia 1998, wo sein Sieg schon festzustehen schien, wurde noch als Betriebsunfall angesehen. Doch wenige Wochen später kam die unsägliche Affäre rund um Festina-Pfleger Willy Voet, der mit einer grossen Menge verbotener Pharmazeutika an der belgisch-französischen Grenze gestoppt wurde, und das wenige Tage vor Beginn der Tour de France. Das abrupte Aus in der Tour, die Nacht im Gefängnis in Lyon, das EPO-Geständnis, die achtmonatige Sperre - all das hielt die Öffentlichkeit in Atem. Dabei wurde geflissentlich übersehen, dass Zülle mit rüden Polizeimethoden ein Geständnis abgezwungen wurde, während seine Berufskollegen zum allergrössten Teil unbehelligt blieben. Dass der Gebrauch des damals noch nicht nachweisbaren EPO in den neunziger Jahren sehr weit verbreitet war, und das nicht nur im Radsport, ist heute kein Geheimnis mehr. Doch als Sündenböcke mussten einige wenige hinhalten, nebst den Schweizern Zülle, Dufaux und Meier auch ein gewisser Marco Pantani. Zülle, dem ein schwaches Nervenkostüm nachgesagt wurde, hielt dem öffentlichen Druck stand und feierte nach der Sperre ein bemerkenswertes Comeback, gekrönt von einem zweiten Rang an der Tour de France hinter dem phänomenalen Lance Armstrong.

Letzte Saison

Der Sieg an der Tour de Suisse 2002 in den Farben des deutschen Coast-Teams war noch einmal ein kräftiges Lebenszeichen des mittlerweile in Zuckenriet wohnhaften Profis. Doch 2003 schienen sich noch einmal alle Radsportgeister gegen ihn verschworen zu haben, als sein Team wegen finanziellen Problemen vor dem Aus stand und er praktisch keine Rennen bestreiten konnte. Da öffnete sich unerwarteterweise die Türe zur Schweizer Equipe Phonak, die auf der Suche nach einem Routinier war. Doch die Saison war durch die fehlende Rennpraxis verpfuscht. So kann man nicht aufhören, dachte sich Zülle und hängt 2004 noch eine Saison an. Es wird aller Voraussicht nach die dreizehnte und letzte sein, was aber hoffentlich kein schlechtes Omen sein wird. Jedenfalls deuteten die Leistungen in den vergangenen Wochen, etwa bei Paris-Nizza, darauf hin, dass man dieses Jahr noch einmal einen starken Alex Zülle erleben darf. Ein Sieg in Uzwil würde sich in seinem beeindruckenden Palmares zwar sehr bescheiden ausnehmen, aber errungen vor heimischem Publikum dürfte es doch ein spezieller Erfolg sein. Seine Spurtschwäche aber ist legendär und so bleibt für ihn zu hoffen, dass er sein Heil nicht in den Wertungssprints sucht, sondern eine offensive Strategie wählt und versucht, seine enorme Tempohärte auszuspielen.

Viel Feind, viel Ehr

Die Liste der Gegner von Alex Zülle ist umfangreich und gespickt mit heissen Anwärtern auf Spitzenklassierungen. Angeführt wird sie von den beiden ehemaligen Siegern Franco Marvulli und Beat Wabel. Der Stadtzürcher Marvulli ist dreifacher Bahn-Weltmeister und Sieger von Sechstagerennen und gilt als der stärkste Schweizer Bahnfahrer seit Urs Freuler und Bruno Risi. Ihm liegt die Strecke in Uzwil genauso wie Beat Wabel, den man zwar vor allem als Offroader kennt. Der Zürcher Oberländer ist aber auch ein sehr starker Sprinter, der an Strassenrennen schon oft ausgezeichnete Leistungen gezeigt hat. Die Liste der Profis wird abgeschlossen mit Stehermeister Peter Jörg, dem momentan besten Schweizer hinter den Motoren.

Über 50 Elite-Amateure sind gemeldet und werden mit mannschaftlicher Geschlossenheit versuchen, den Profis das Leben schwer zu machen. Bekannte und aussichtsreiche Fahrer sind Roger Devittori, Christian Eminger, Jan Brunner, Markus Kammermann und Martin Goldinger. Doch die Saison ist noch sehr jung und es stossen laufend neue Talente an die Spitze. In den Farben des RMV Uzwil starten David Frei aus Uzwil und sein neuseeländischer Freund Andrew Wiliams.

Wieder mit Frauen

Nach einem Unterbruch sind in Uzwil auch die Frauen wieder im Programm. Wegen eines zur WM-Selektion zählenden Weltcup-Rennens in Spanien musste die in Flawil wohnhafte ehemalige Weltmeisterin Barbara Heeb ihren bereits vorgesehenen Start wieder absagen. Auch andere grosse Namen fehlen wegen diesem wichtigen Termin in Uzwil, so dass die Nennung von Favoritinnen schwer fällt. Das Uzwiler Rennen ist dazu erst die zweite Schweizer Startmöglichkeit der Frauen in dieser Saison. Die bekanntesten Fahrerinnen im Feld von etwa 30 Frauen sind Denise Baumann, Alexandra Born, Marion Brauen, Andrea Hess und Patricia Schwager.

Juniorenrennen eröffnet den Renntag

Nach der miserablen Beteiligung im 2002 wird dieses Jahr wieder ein stattliches Fahrerfeld am Start in Uzwil stehen. Schon um 9 Uhr findet dieses Rennen über 27 Runden statt, welches sicher spannenden Radsport bieten wird. Vom RMV Uzwil nimmt Pirmin Züblin aus Lütisburg teil. Ein grosses Nachwuchsproblem offenbart sich in der Ostschweiz. Nur der VC Bürglen-Märwil hat noch einige junge Rennfahrer, während traditionsreiche Vereine wie der VC Fischingen, der RMC Gossau oder der RV Altenrhein keinen einzigen Junior gemeldet haben.

Auf Rollen rasen

Zum fünften Mal seit 1998 erhalten in Uzwil die Inlineskater eine Startgelegenheit. Nach dem Versuch mit Kriteriumswertung wird 2004 das Rennen wieder nach Schlusseinlauf gewertet. Bei gutem Wetter werden gegen fünfzig Damen und Herren erwartet, die sich in der offenen Kategorie einen faszinierenden Kampf liefern werden. Die flache Strecke rund um den Bühler ist sowohl für Cracks als auch für weniger geübte LäuferInnen bestens geeignet. Die Spitzenläufer erzielen jeweils beeindruckende Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 36 km/h, nur wenig langsamer wie die Radrennfahrer.

Alt gegen neu

Die Beteiligung an Militärradrennen ist ständig am sinken. Mit der aktuellen Armeereform gibt es auch keine Radfahrertruppen mehr, somit haben ausserdienstliche Anlässe nur noch nostalgischen Wert. Um das Rennen attraktiver zu gestalten und auch anderen passionierten Hobbyfahrern eine Startgelegenheit zu bieten, hat das Uzwiler OK eine absolute Neuerung eingeführt: Ein Verfolgungsrennen alt gegen neu für Jedermann (und auch Jederfrau). Die uniformierten Militärradfahrer auf ihren alten, schrecklich schweren Eingängern mit unveränderter Technik seit 1905 dürfen dabei einige Sekunden vor den 'Gümmelern' mit ihren ultraleichten Rennern starten. Wieviele Sekunden wird von der Jury kurz vor dem Rennen festgelegt. Der Blick auf die Startliste offenbart, dass in beiden Feldern einige hervorragende Athleten antreten werden. Bei den Militärradfahrern ragen die ehemaligen Sieger Adrian Schläpfer und Daniel Markwalder hervor, bei den Rennvelofahrern der frühere Profi Michael Themann. Danebst sind aber auch etliche Gelegenheitsfahrer am Start, die etwas Rennatmosphäre schnuppern möchten. Nachmeldungen werden noch bis kurz vor dem Start entgegengenommen.

Schüler flitzen um den Bühler

Nicht zu kurz kommen in Uzwil auch die 8- bis 14-jährigen, die in zwei Kategorien die Schnellsten ausmarchen. Als erstes fahren die Jahrgänge 1993-1996 zwei Runden à 1,5 km. Danach sind die Jahrgänge 1990-1992 über drei Runden im Einsatz. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmende erhält einen Erinnerungspreis. Nachmeldungen werden auch hier am Renntag bis jeweils eine halbe Stunde vor dem Start entgegen genommen. Die Rennen finden bei jeder Witterung statt (Ausnahme: schneebedeckte Strassen...).

Das detaillierte Rennprogramm, die aktuellen Startlisten, eine Online-Anmeldemöglichkeit und viele weitere Informationen über 'Rund um den Bühler' und den RMV Uzwil findet man im Internet unter www.rmvuzwil.ch .

Strecke vollständig abgesperrt

Um einen unfallfreien Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, muss die Rennstrecke am Sonntag 28. März von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Dies betrifft die Bahnhofstrasse zwischen Benninger-Parkplatz und Kreuzung Sportstrasse/Kirchstrasse, die Fabrikstrasse, die dorfeinwärts führende Hälfte der Gupfenstrasse entlang der Bühler AG sowie die Sportstrasse. Der Postautoverkehr wird während dieser Zeit über die Herrenhofstrasse umgeleitet, die Haltestellen bei der Bühler AG werden nicht bedient. Automobilisten werden gebeten, die Umleitungen zu benützen, die Gupfenstrasse bleibt durchgehend befahrbar (mit Gegenverkehr). Rennbesucher bitte den Parkplatz beim Gemeindesaal benützen.

Das OK bittet die betroffenen Anwohner und Verkehrsteilnehmer um Verständnis und wünscht allen trotzdem einen schönen Tag.

Grusswort von Werner Walser, Gemeindepräsident

Eckig und kantig wird's.

....wenn der RMV Uzwil am kommenden 28. März zur Startlinie beim "Schöntal" aufruft. 'Eckig und kantig sein' bedeutet immer Herausforderung, verlangt nach Aufmerksamkeit, Anspannung, Nervosität, Bündelung aller verfügbaren Kräfte, allenfalls sogar über sich hinauswachsen. Schön, dass sich auch heuer wieder zahlreiche Radsportlerinnen und Radsportler sowie Inline-Skaterinnen und Skater aus der ganzen Schweiz der anspruchsvollen Herausforderung stellen und die vorgegebenen Runden 'drehen'. Für die einen ein ernsthafter Wettkampf, für die anderen ein Plausch. Nach einem Unterbruch sind erstmals wieder Radrennfahrerinnen am Start. "Rund um den Bühler" . . . 48 mal für die Herren Elite . . . auf einer eckigen und kantigen Strecke. Mittlerweile das volle Dutzend dieses Nationalen Rad und Inline-Kriteriums.

Bühler? Das ist kein Dorf. Bühler ist ein Familienunternehmen mit langer Tradition, das Spitzenprodukte an Anlagen und Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie, die chemische Verfahrenstechnik und den Druckguss herstellt und fast ausschliesslich in alle Erdteile exportiert. Ueber 6'000 Menschen sind weltweit beschäftigt, davon gegen 3'000 in Uzwil. Uzwil zählt mit der Bühler AG und der benachbarten Benninger AG (Textilmaschinen) zu den Industriestandorten der Schweiz. Bühler umfasst auch ein Areal, das gross genug ist und sich mit seinen "Ecken und Kanten" ideal als Radrennstrecke anbietet. Viel Zeit für das Herumgucken wird da den Teilnehmern wohl nicht bleiben....

Ein freundliches Willkommen entbiete ich allen Sportlerinnen und Sportlern. Eine anspruchsvolle Rennstrecke wartet auf sie. Wer "Rund um den Bühler" gefahren ist oder gar gewonnen hat, hat einen wichtigen Punkt auf seinem Leistungsblatt. Erinnern Sie sich an Beat Wabel, Urs Spycher, Franco Marvulli oder Philipp Buschor? alle Sieger von "Rund um den Bühler".

Ich sage Willkommen allen Rad- und Inline-Sportfreunden wie auch allen Gästen. Geniessen Sie diesen sportlichen Leckerbissen. Und zum Schluss gehört dem RMV Uzwil ein herzliches Dankeschön und grosse Anerkennung für die Initiative und die Arbeit, die mit dem mittlerweile 12. Kriterium verbunden sind.

Eckig...und...kantig. Rundum...viel Glück

Ihr Werner Walser, Gemeindepräsident

Informationen an die Zuschauer

Am besten kommen Sie zu Fuss oder mit dem Velo an das Rennen. Automobilisten finden beim Bühler-Parkplatz beim Gemeindesaal genügend Parkplätze. Zufahrt über die Schöntalstrasse.

Das Ziel befindet sich bei der Einmündung der Schöntalstrasse in die Bahnhofstrasse. Das Festzelt beim Gemeindehaus ist beheizt und bietet rund 300 Sitzplätze. Die Festwirtschaft ist geöffnet von 9 bis 18 Uhr.

Die besten Zuschauerstandorte befinden sich zwischen der attraktiven Zielkurve und dem Bühlerbahngeleise. Die gesamte Zielgerade wird mit einer Lautsprecheranlage durchgehend beschallt. Von 9 bis 16.30 Uhr informiert Sie Speaker Peter Lienhard aus Niederuzwil über den Rennverlauf.

Die Rennen finden bei jeder Witterung statt, Eintritt und Programmheft sind gratis.

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Letzte Änderung: 04.12.2011, Autor: Peter Kuhn
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