RMV 3-Tagestour im DACH-Dreiländereck
Immer wenn Marias Himmelfahrt (nein, ihre Empfängnis kommt erst später!) auf einen Freitag fällt, zieht es uns zu unseren katholischen Nachbarn in den Osten. Unser Tourenleiter Mathias zog also den Streckenplan von 2014 aus der Schublade und steckte einen fast identischen Parcours aus wie vor 11 Jahren. Die Hälfte der 12 Teilnehmer:innen (Mathias, Toni, Mäci, Thomas, Martin N. und Peter) war schon damals dabei, neu dazu kamen Emilie, Jennifer, Philipp, Cédric, Martin K. und Stefan.
Tag 1: Altstätten – Bludenz – Zeinisjoch – Zams (131 km, 1’700 Hm)
Treffpunkt war dieses Jahr der SBB-Bahnhof Altstätten, wo gegen neun Uhr die Teilnehmer:innen per Bahn, Auto oder Velo eintrudelten. Mäci hatte erfahren, dass unser Haupt-Tagesziel, die Silvretta- Hochstrasse über die Bieler Höhe, ab Partenen bis zur Passhöhe für den Verkehr gesperrt sei. So mussten wir rasch umdisponieren. Zum Glück gibt es zwischen dem Montafon und dem Paznaunertal noch einen anderen Passübergang, vorbei am Kops-Stausee über das Zeinisjoch. Wir kannten diese Passage nur vom Hörensagen, aber die wichtigsten Infos waren schnell zusammen. Die steile und enge Westauffahrt ist autofrei, unser Begleitfahrzeug mit Emilie am Steuer musste also durch den Arlbergtunnel und von Osten her zum Alpengasthof auf dem Zeinisjoch fahren. Toni entschied sich, Emilie Gesellschaft zu leisten und verlud seinen E-Renner wieder in den Bus. Der Rest trollte sich Richtung Feldkirch und weiter nach Bludenz, wo wir uns vor dem Aufstieg aus dem Bus verpflegen konnten. Von dort ging die wilde Fahrt weiter auf dem kurvigen und schmalen, aber sehr schönen Radweg entlang der Ill. Nach einer kurzen Erfrischung am Dorfbrunnen in Partenen ging es dann nach einigen Metern auf der Hochalpenstrasse links weg in einen Wald. Der Steigungs-Gradient ging sofort in den zweistelligen Bereich. Nach 2,5 km und 300 Hm gelangten wir bzw. bereits jeder einzeln ein kleines Hochtal. Hier konnte man etwas Luft holen, allerdings stockte einem gleich wieder der Atem, wenn man den Blick nach vorne richtete. Sprichwörtlich eine Wand aus Fels und Beton stellte sich dem tapferen Radler in den Weg, satte 400 Meter hoch. Und wie sollte man da rauf kommen? Eine Strasse liess sich nicht erblicken. Doch es war ein Strässchen da, gut versteckt im Wald und unheimlich steil. So schraubte man sich mit dem Gang, der sich nicht mehr verkleinern liess, die Rampen und die 20 Kehren hoch zum Stauziel Kops. Alle mussten leiden, aber bei Thomas gingen schon vor der Hälfte des Jochs die Lichter ganz aus. Er hatte in den Tagen vor der Tour eine Durchfallerkrankung mit Fieber durchgemacht. Mathias, der im Vorjahr etwas ähnliches erlebt hatte, und Mäci stiessen ihn tapfer durch die bis zu 20-prozentigen Rampen, bis bei ihnen auch nichts mehr ging. Dank Telefonalarm kehrten dann alle mit aktivem Roaming um und stiessen Thomas ganz nach oben, wo schon bald die ersehnte Wirtschaft auftauchte. Kaum angekommen, begann es für eine Stunde heftig zu regnen. Wir dachten, wir hätten dem Wetter ein Schnippchen geschlagen, als wir bei wieder blauem Himmel uns bereit machten zur Weiterfahrt. Doch gerade als Toni sein Radl vom Ständer nahm, kam wieder das himmlische Nass üppig von oben. Doch was soll’s, weiter gings und bereits in Galtür war die Strasse wieder trocken. Ganze 45 km lang war die Abfahrt bis Landeck. Ausgerechnet in einem Tunnel forcierte Aero-Cédric das Tempo, alle kurbelten wie wild, um den Anschluss nicht zu verlieren. Mäci so vehement, dass seine etwas salopp im Trikot verstaute Pumpe in hohem Bogen durch die Luft flog. Zum Glück konnten alle Nachfolgenden ausweichen und Mäci konnte das kostbare Pümpeli sogar wieder bergen. Leicht eingenässt erreichten alle das Etappenziel Zams, wo wir uns in der Dépendence der Gemse einquartierten.
Tag 2: Zams – Piller – Hahntennjoch – Namlos – Reutte (107 km, 2’800 Hm)
Nach einer eher trockenen Nacht begann es am Samstag ab 8 Uhr wieder zu regnen, und das nicht zu knapp. Anstatt wie eigentlich geplant gleich loszufahren, verschoben wir unseren Standort in das nächstgelegene Café und assen dort das zweite Frühstück, bis es gemäss Regenradar einigermassen nach Aufhören aussah. Wir wollten insbesondere das Hahntennjoch dieses Mal trocken bewältigen. Bei noch nassen Strassen fuhren wir um 11 Uhr 30 ab Richtung Fliess und Piller, aber es trocknete schnell ab. Die Pillerhöhe befuhren wir dieses Mal auf der grösseren Strasse, die eine Spur weniger steil ist wie die Variante von 2014. Nach einer rasanten Abfahrt ging es in Imst gleich hinein in das Haupthindernis des Tages, das Hahntennjoch. Die steilsten Stellen sind hier ganz am Anfang, danach flacht es etwas aus. Martin N. schlug ein horrendes Tempo an, dem einer nach dem anderen Tribut zollen musste. Einzig Philipp blieb bis oben dran, beide brauchten nur eine Stunde und 2 Minuten für die 1’027 Höhenmeter. Oben strahlte die Sonne und auch wir, denn es ist doch viel schöner so wie nass und kalt. Das dachten sich auch die Eigner der Kaiserkrone in Elmen, die wir bekanntlich 2014 völlig durchnässt mit unserem Besuch beglückt hatten. Dieses Mal schwitzten wir draussen an der Sonne und beschäftigten uns mit Deftigem. Knödel, Sauerkraut, Chicken Wings und Pommes waren natürlich genau das richtige für das letzte Teilstück über Namlos. Nach unzähligen Gegensteigungen fochten Martin K. und Mäci um die letzten fiktiven Wertungspunkte. Die letzten km bis zur Burgenwelt Ehrenberg hatten es in sich, zuerst kamen wir in ein Gewitter und dann auf eine verkappte Autobahn. Durch das Engnis vor Reutte zwängt sich der ganze Verkehr. Ein Radweg – Fehlanzeige.
Wegen des verzögerten Starts waren wir am Abend spät dran mit Essen. Wir waren dann aber doch erstaunt, als kurz nach dem Essen um 21 Uhr das Personal aufzustuhlen begann. So ging es ohne Schlumi an die frische Luft. Die Highline 179, eine spektakuläre Hängebrücke, welche das Tal auf 113 Meter Höhe quert, erregte unsere Aufmerksamkeit. Ein nächtlicher Spaziergang führte über die hell beleuchtete, aber verwaiste Brücke und auch noch auf die ruinierte Burg Ehrenberg. Absolut sehenswert, auch im Dunkeln und sicher einen Familienausflug wert.
Tag 3: Reutte – Oberjoch – Rohrmoos – Bödele – St. Margrethen (135 km, 1’900 Hm)
Auch am dritten und letzten Tag war das Wetter nicht gerade safe und es war auch ziemlich kühl geworden. Noch im Trockenen ging es los Richtung Haldensee. Auf dem Gaichtpass begann es aber zu regnen, und das nicht zu knapp. Das Regenradar verriet uns, dass wir es mit der einzigen Regenzelle im ganzen Alpenraum zu tun hatten, die sich auch nicht vom Fleck bewegen wollte. So blieb nichts anderes als weiterzufahren, die Schuhe waren eh noch nass vom Vortag. Auf deutschem Boden trocknete dann auch die Strasse rasch ab und wir strebten zielstrebig dem nächsten Highlight der Tour entgegen, dem autofreien Übergang über das Rohrmoos. Emilie wurde über Balderschwang vorausgeschickt, um schon mal das Restaurant in Sibratsgfäll zu rekognoszieren. Leider hatte das einzige Haus am Platz gerade Ferien (im Ferienmonat August!) und so mussten wir noch rund 10 km und einen Aufstieg (ja, es ging bergauf, ich gebe es zu) mehr hinter uns bringen, bis wir im Wartsaal zum Hirschen in Hittisau unsere Mittagsrast machen konnten. Als letztes Hindernis vor dem Rheintal musste noch der Aufstieg zum Bödele mit der anschliessenden rasanten Abfahrt nach Dornbirn gemeistert werden. Die meisten hatten noch nicht genug und fuhren mit dem Velo bis ganz nach Hause, was nahezu einen 200er ergab. Zuhause hiess es dann flicke, pflege, suuber mache, die etlichen Stunden Regenfahrt hatten doch ihre Spuren am Material hinterlassen.
Mein herzlicher Dank geht an Mathias für die Organisation einer wiederum abwechslungsreichen Tour, Emilie für den Einsatz als Chauffeuse und Begleitperson, Martin K. für den Begleitbus und allen Teilnehmer:innen für die vielen lustigen Stunden.
Nachfolgend eine Auswahl an Fotos, viel Spass!

Foto 1 Wegen der Sperrung der Bieler Höhe mussten wir uns vor der Abfahrt in Altstätten kurz beraten. Mit dem Zeinisjoch war schnell eine attraktive, wenn auch supersteile Alternative gefunden

Foto 2 Vor Partenen war der Ill-Radweg wegen einer Veranstaltung gesperrt und die Strasse mit Velofahrverbot belegt, so blieb wieder einmal die Wiese, die allerdings, da trocken, auch ohne Gravelbike gut befahrbar war.

Foto 3 Eher deftig war das Speiseangebot bei unseren östlichen Nachbarn. Die Kette haben mittlerweile einige gewachst, aber das Wiener Schnitzel und die Pommes werden immer noch im Ölbad behandelt.

Foto 4 Am Samstag starteten wir mit 2,5 Stunden regenbedingter Verzögerung aus der Boxengasse auf die zweite Etappe

Foto 5 Am Hahntennjoch war Martin in seinem Element, hinter ihm wurde mit allem was man hatte um den Anschluss gekämpft

Foto 6 Etwas weniger verbissen ging es in der zweiten Gruppe zu und her, wobei im RMV vor allem die E-Biker mit einem Lächeln unterwegs sind

Foto 7 Oben auf der Passhöhe war die Stimmung doch einiges besser als vor 11 Jahren…

Foto 8 Namlos war das Ziel des letzten Teilstücks der zweiten Etappe, und zahllos waren die Attacken auf dem Weg dahin

Foto 9 Ein Erlebnis der besonderen Art war die nächtliche Querung des Ehrenberger Engnis über die Highline 179, 113 luftige Meter über dem Talgrund.

Foto 10 Auch die Ruine Ehrenberg wurde gründlich inspiziert, trotz vorgerückter Stunde.

Foto 11 Die radelnde Elf für einmal neben- statt hintereinander. Eigentlich wurde auch noch ein Foto mit Emilie drauf gemacht, wer weiss, was daraus geworden ist
Und zum Schluss die drei Etappen zusammengefasst auf Strava:



