Pascal Tappeiner: Medaille, Rekord und Olympia

Die Vorbereitungen für die Bahnrad-Europameisterschaften sind abgeschlossen, und Pascal Tappeiner zeigt sich kurz vor dem Start der EM am 1. Februar in Konya (Türkei) in ausgezeichneter Verfassung. Der 22-jährige Schweizer erklärt, er sei so gut in Form wie noch nie. Austragungsort ist eine Millionenstadt zwischen Ankara und Antalya, in der 2022 ein modernes Velodrom eröffnet wurde. Die 250 Meter lange Bahn gilt als besonders schnell – bereits zwei Weltrekorde wurden dort aufgestellt. Auch Tappeiner hofft, diese Bedingungen für eine persönliche und sportliche Bestleistung nutzen zu können.

Im Fokus steht für ihn jedoch kein Weltrekord, sondern ein Schweizer Landesrekord in der Mannschaftsverfolgung über vier Kilometer. Dieser stammt aus dem Jahr 2021 und wurde vom Olympiavierten um Stefan Bissegger mit einer Zeit von 3:49,111 Minuten aufgestellt. Die Schweizer Mannschaft kam diesem Rekord bereits beim Weltcup im März 2025 in Konya sehr nahe: Trotz eines platten Reifens beim Startfahrer belegte das Team mit 3:49,460 Minuten den fünften Platz. Tappeiner war damals nicht Teil des Teams, da ihm die Trainer eine mentale Pause verordnet hatten – rückblickend eine Entscheidung, die er selbst nicht zwingend für nötig hielt.

Wie wichtig Tappeiner für das Team ist, zeigte sich im Februar 2024, als er mit der Schweizer Mannschaft bei der EM in Belgien die Bronzemedaille gewann. An der WM 2025 in Santiago de Chile lief es hingegen weniger erfolgreich: Das Team belegte nur Rang sieben. Laut Tappeiner lag dies vor allem an technischen Problemen und nicht optimalen Läufen. Dennoch habe man aus diesen Fehlern gelernt, und die Vorbereitung habe gezeigt, dass das Team in der Mannschaftsverfolgung stärker sei als im Vorjahr. Sollte in Konya der Landesrekord fallen, sieht Tappeiner gute Chancen auf eine weitere EM-Medaille.

Neben sportlichem Erfolg ist die EM auch strategisch wichtig: Gute Platzierungen in verschiedenen Disziplinen sind notwendig, um sich für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren. Alex Vogel, ein zentraler Leistungsträger des Teams, startet neben der Mannschaftsverfolgung auch im Scratch und im Omnium. Tappeiner selbst wird zusätzlich in der Einzelverfolgung über vier Kilometer antreten. Eine Zeit von etwa 4:10 Minuten würde für ihn das Soll erfüllen. Der aktuelle Schweizer Rekord liegt bei 4:07,326 Minuten und wurde 2022 von Simon Vitzthum aufgestellt. Die Entwicklung der Disziplin zeigt sich auch historisch: 2015 stellte Stefan Küng bei der WM-Qualifikation mit 4:17,183 noch einen Schweizer Rekord auf – ein Wert, der heute deutlich unterboten wird. Die Einzelverfolgung ist seit 2008 nicht mehr olympisch.

Die Mannschaftsverfolgung verlangt höchste Präzision: Bei Geschwindigkeiten von rund 70 km/h sind sauberes Fahren, perfekte Ablösungen und das optimale Ausnutzen des Windschattens entscheidend. Ein verlässlicher Faktor im Schweizer Team ist Alex Vogel aus Wittenwil, der bereits bei der EM-Bronzemedaille 2024 dabei war. Der 26-Jährige nahm 2024 in Paris an den Olympischen Spielen teil und belegte im Omnium Rang elf – ein Resultat, das zusätzliche Motivation für die Zukunft gab.

Langfristig richtet sich der Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Nachdem in Paris 2024 Alex Vogel der einzige männliche Schweizer Bahnfahrer war, wollen die Schweizer künftig wieder mit dem Bahnvierer vertreten sein. Die EM 2026 ist zwar noch kein offizieller Selektionswettkampf, doch ein starkes Abschneiden in Konya würde die Position des Teams innerhalb des Verbandes deutlich stärken. Die eigentliche Selektionsphase beginnt im Oktober mit der WM in Shanghai, wobei sich nur acht Nationen für Los Angeles qualifizieren – entsprechend hart wird der Konkurrenzkampf.

Abseits der Bahn ist Tappeiners Situation anspruchsvoll. Während Stefan Küng heute als etablierter Strassenprofi gut verdient, lebt Tappeiner finanziell deutlich bescheidener. Er absolviert derzeit in Magglingen die Spitzensport-RS und erhält Erwerbsersatz sowie Beiträge von der Sporthilfe. Private Sponsoren fehlen bislang. Parallel dazu studiert er Biologie an der ETH Zürich. Aufgrund der Spitzensport-RS hat er aktuell ein Urlaubssemester eingelegt, plant aber danach die Fortsetzung seines Studiums. Zusätzlich bestreitet er zwar auch Strassenrennen, jedoch nicht auf internationalem Spitzenniveau.

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