Der Parcours der diesjährigen Dreitagestour führte die 11 Teilnehmer:innen (Toni, Emilie, Christoph,
Peter, Philipp, Martin N., Martin K. Mathias, David, Cédric und Elia) über die schönsten Bündner
Pässe. Das Nachbarland Italien wurde auch zweimal befahren, der Schlussteil führte uns durch den
südlichsten Teil des Kantons St.Gallen.
Tag 1: Thusis-Splügenpass-Chiavenna-Maloja-Celerina (122km, 3’250 Hm)
Der Bahnhof Thusis war dieses Jahr unser Treffpunkt, wo wir uns im üblichen Stil reisefertig machten.
Tourenleiter Mathias machte uns mit dem jüngsten Teilnehmer Elia bekannt, seit U11 befreundet mit
Cédric und Elitefahrer bei der GS Mendrisio. Ohne Einrollstrecke ging es um 10 Uhr schnurstracks los
auf die Via Mala. Die durch zwei Tunnels obsolet gewordene Strasse unten in der Schlucht ist für den
abenteuerlustigen Radler noch offen und wurde offensichtlich erst kürzlich von tausenden kleineren
und einem riesigen Felsbrocken befreit. Peter war die Strecke nämlich 6 Wochen vorher bei seinem
Trip gen Italien mit Ziel Genua gefahren, wo sie des Nachts einen drei Meter breiten Brocken
umfahren mussten. Trotz der gereinigten Strasse fing sich Elia einen platten Reifen ein. Tube- und
quasi milkless unterwegs blieb nichts anderes übrig, wie einen Schlauch einzuziehen. Der Rest der
Truppe wartete nicht so lange, sondern fuhr gemächlich weiter Richtung Splügen Dorf. Dort holten
uns Elia, Cédric und Mathias wieder ein. Die Schweissperlen an Mathias Stirn deuteten darauf hin,
dass seine Fahrt über die ersten 700 Höhenmeter des Tages eher nicht gemächlich war. Nach kurzer
Pause ging es rein in den eigentlichen Aufstieg, bis wir rund 40 Minuten und einige schöne Kehren
später die Passhöhe und gleichzeitig die Grenze nach Italien erreichten. Der Himmel war bedeckt und
Richtung Süden sah es nach Regen aus. Tatsächlich fing es nach der Hälfte der Abfahrt bei der
Abzweigung nach Madesimo an zu tröpfeln. Zum Glück war Emilie mit dem Bus zur Stelle, und so
konnten wir unser Regenzeug anziehen. Alle staunten, als Mathias seine eleganten weissen
Rennschuhe auszog und ein Paar ältere schwarze Schuhe aus der Tasche zauberte. Man lernt nie aus!
So ging es auf nasser Strasse durch unzählige kleine Tunnels und enge Kehren weiter Richtung
Chiavenna. Dort suchten und fanden wir das Restaurant Torchio Antico, wo wir uns tropfnass auf gut
gepolsterte Stühle niederliessen. Da wir spät dran waren, konnten wir nur noch aus der Pizzakarte
wählen. Die Pizzen waren sehr gut, was vor allem auch am üppig verwendeten Mozzarella lag. Nach
der Pause war das Wetter wieder sonnig und wir bretterten los Richtung Malojapass. Während vorne
die Post abging, gingen bei Christophs Schaltwerk die Lichter aus. 2 x 13 Gänge reduzierten sich auf 2
x 1. Die 1 war immerhin das drittoberste Ritzel, was ja noch gegangen wäre, aber beim Versuch, die
Schaltung wieder in Betrieb zu nehmen, ging die Kette auf das kleinste Ritzel und verharrte dort, was
Christoph zum Handy greifen liess, welches zum Glück noch funktionierte. Pech für ihn, denn der
Aufstieg nach Maloja gehört zu den attraktivsten Passstrassen der Alpen. Was die Fahrt etwas trübte,
war der schwerverdauliche Käse im Magen. Das Schlussstück nach Celerina war dann eine wilde
Fahrt durch erneuten starken Regen nach dem Motto «catch Cédric’s wheel – if you can». Unser
Wattkönig fühlt sich offenbar am wohlsten, wenn die Strasse einem See entlangführt. Seedric
sozusagen. Es war trotzdem schon 18 Uhr 30, als wir endlich im All-in-one-Hotel ankamen. Unsere
nassen Renner durften wir in den riesigen Veloraum stellen, wo bereits Dutzende (E-) Mountainbikes
geparkt waren, und für die nassen Klamotten und Schuhe stand ein Trocknungsraum mit der Leistung
eines Windkanals bereit. Mit leichter, aber telefonisch angekündigter Verspätung trudelten wir frisch
geduscht im Eisbahnrestaurant La Piruetta ein. Der Schuppen war rand-randvoll, aber der Chef zog
nicht mal die Augenbrauen hoch als wir uns anmeldeten, sondern begann sofort Gäste
2 umzuplatzieren, Stühle und Tische umzustellen oder von irgendwoher herzubringen, und nach
gefühlt einer Viertelstunde Gaststuben-Tetris, just als die ersten Gäste sich zum Gehen aufrafften,
waren 11 Plätze freigeschaufelt und wir konnten uns zum wohlverdienten Mahle hinsetzen.
Tag 2: Celerina – Punt la Drossa – Fuorcla di Livigno – Berninapass – Gino
Mäder-Memorial – Celerina (123 km, 1’950 Hm)
Mit einem reichhaltigen Frühstück im Magen starteten wir mit einem Mann mehr (Reto verbrachte
seine Ferien mit der Familie in Madulain und schloss sich uns an) pünktlich um 9 Uhr zur zweiten
Tagestour. Nach dem nassen Freitagabend hingen noch tiefe Wolken über dem Engadin und es war
recht frisch, als wir in gewohnt flottem Tempo Richtung Zernez preschten. Im Aufstieg nach Punt la
Drossa begann die Sonne langsam zu wirken, und schon bald waren fast alle wieder kurz-kurz
unterwegs. Beim Tunnelportal füllten wir unseren eigenen Bus, der Rest fuhr mit dem Shuttlebus den
3,385 km langen Munt-la-Schera-Tunnel bis Punt dal Gall. Dort ging es rasant entlang des Lago di
Livigno nach Livigno selbst, ein Ort wo es billigen Alkohol und Diesel gibt und etliche Veloprofis wie
Michael Matthews ihr Höhentrainingslager verbringen. Wir liessen den geschäftigen Ort rechts liegen
und eilten zurück via die Forcola di Livigno in die Schweiz. Auf dem Berninapass, dem Dach unserer
Tour (2327 m ü.M.) war es angenehm warm, so konnten wir auf der Sonnenterrasse unseren Lunch
einnehmen. Ohne Martin N., er war beim Schweizer Zoll nach links Richtung Veltlin abgebogen und
fuhr den Berninapass Süd vollständig ab Tirano, das sind 1’858 Höhenmeter am Stück, mehr als das
Stilfserjoch oder der Splügen von Süden zu bieten haben. Nach der Mittagspause ging die Raserei
weiter, mit Rückenwind waren wir meist mit 50 bis 60 Sachen unterwegs. In La Punt ging es diesmal
links hinein in die Albula Passstrasse, das Tempo und der Fahrtwind waren urplötzlich weg. Die Sonne
brannte erbarmungslos an den Südhang und wir mussten alle kämpfen, bis wir die verhängnisvolle
Kurve im oberen Teil des Aufstiegs erreichten. Seit einem Jahr steht auf dem Bödeli über dem steilen
Wiesenbord eine Holzskulptur, erschaffen von Gügi Eugster, einem Onkel von Gino. Wir legten einen
Blumenstrauss und eine GP Filona-Mütze vor dem Sockel des Denkmals nieder und liessen den Ort
auf uns wirken, der nach der Errichtung eines Sichtwalls etwas versteckt von der Strasse liegt. Trotz
Gegenwinds im Tal erreichten wir Celerina deutlich früher wie am Vortag, und so blieb noch Zeit für
einen Apéro, bevor wir zum Restaurant Cresta Run losmarschierten. Hier waren wir im
Untergeschoss ganz für uns allein an einem gigantischen Holztisch, wo auch noch Cédrics Götti mit
Frau und ihrer Freundin dazustiessen.
Tag 3: Celerina – Albulapass – Lenzerheide – Kunkelspass – Bad Ragaz (121 km, 2’500 Hm)
Auch am dritten Tag schafften wir es, pünktlich abzufahren, wieder bei deutlich angenehmeren
Temperaturen. Den ersten Teil der Strecke bis zum Gino Mäder-Memorial kannten wir vom Vortag,
aber dieses Mal fuhren wir ganz hoch bis zur Passhöhe, wo ein weiteres Gruppenbild geschossen
wurde. Geschossen gleich fuhren wir auch zu Tale, für die 30 km von der Passhöhe bis nach
Tiefencastel brauchten wir gerade einmal 39 Minuten. Hier verabschiedete sich David, der nach einer
überstandenen Entzündung noch nicht ganz fit war, die Tour etwas abkürzte und nach Thusis
weiterfuhr. Nicht gerade ein entspannter Abschluss für ihn durch all die langen Tunnels oberhalb der
Schinschlucht. Der Rest kurbelte den schönen, aber sehr sonnenexponierten Aufstieg nach Zorten,
Muldain und Lain hoch (zusammengefasst heisst es auch Obervaz). Bis zur Lenzerheide war es nun
nicht mehr weit, im Kioskbeizli Canols (die Langläufer unter uns kennen es) konnten wir uns mit
Kuchen, Gummibärli oder Schweinswürstli stärken. Lino setzte sich auch noch für eine Weile zu uns,
er macht eine Lehre im Valbella Resort. Die Zeit drängte, war doch auf 16 Uhr ein Gewitter
3 angekündigt. Zuerst musste aber Martin K.’s Reifenschaden behoben werden. Als es endlich losging,
wurden wir auf der Höchstgeschwindigkeiten zulassenden Abfahrt nach Churwalden durch den
Verkehr ausgebremst. Toni und Christoph schenkten sich den Umweg über den Kunkelspass und
schwenkten in Chur rechts ab Richtung Bad Ragaz. So waren wir noch zu siebt die, da Fahrverbot,
ohne Begleitfahrzeug in Tamins den Kunkelspass in Angriff nahmen. Peter hatte nicht zu viel
versprochen, schon bald erreichte die schmale Strasse weit über 10 % und dabei blieb es auch bis
ganz oben. Durchsetzt war das Strässchen von längeren Abschnitten mit Gravel wo man
gezwungenermassen im Sitzen fahren musste. Das Highlight kam dann fast zuoberst mit dem 200
Meter langen, kurvigen und nur durch einige Durchbrüche beleuchteten Tunnel. Drinnen kam uns
sogar ein Pickup entgegen, was es noch etwas prickelnder machte. Ganz oben steht netterweise ein
Restaurant mit fast ausschliesslich E-Bikern als Gäste, wo wir unseren massiven Durst löschen
konnten. Der immer bedrohlicher werdende Himmel liess uns aber rasch wieder aufbrechen und die
holprige Abfahrt nach Vättis in Angriff nehmen. Trotz erster Regentropfen erreichten wir trocken via
Pfäfers das Ziel Bad Ragaz, wo Emilie, Toni, Christoph und die Eltern von Elia uns schon erwarteten.
Zum Schluss bleibt mir nur zu danken, ganz speziell Mathias für die Organisation der wunderschönen
Bündner Tour, Emilie für den Fahrdienst und den Photoservice, Martin K. für den Begleitbus und
allen Teilnehmer:innen für die gute Kameradschaft.

Foto 1 Im Bahnhofsgelände von Thusis starteten wir zur Dreitagestour 2026

Foto 2 Elia begleitete uns über die drei Tage, er war nach einer Krankheit nicht ganz fit, aber auch so noch sehr schnell unterwegs

Foto 3 Pizza Chiavennasca gehört eher nicht zu den empfohlenen Stärkungsmitteln vor einem Pass mit 1’500 Höhenmetern…

Foto 4 Das Talstationsgebäude der Seilbahn zum Albigna-Stausee wurde von Peters Göttibub entworfen

Foto 5 Toni machte eine gute Figur auf seinem E-Renner

Foto 6 Am Ofenpass schafften wir es, mehr oder weniger gemeinsam den Aufstieg zu fahren

Foto 7 Schlafen auf Bänken ist eine alte RMV-Tradition auf dem Berninapass

Foto 8 Ein Blumenstrauss und eine GP Filona-Mütze erinnern an unseren Besuch des Gino Mäder-Memorials.

Foto 9 Auf dem Bild hat es sicher mehr als zwei Berggeissen

Foto 10 Der Abschluss des Kunkelspass bildet der furchteinflössende Tunnel…

Foto 11 … der nach einer Kurve und 200 dunklen Meter spektakulär zu Ende geht



