Zeitungsbericht Philipp Buschor
«Und plötzlich war ich Radprofi»
Am 27.11.2014 in den „Wiler Nachrichten“ erschienen.
Autor: Hermann Rüegg
ZUZWIL/UZWIL/ELGG Was macht eigentlich Philipp Buschor?
Der ehemalige Zuzwiler Philipp Buschor (43) fuhr während fünf Jahren bei den Radprofis und bestritt dabei viermal die Tour de Suisse und beendete auch einmal die Tour de France.
Heute setzt sich der dreifache Familienvater für den Nachwuchs ein und lanciert als OK-Präsident im kommenden April 2015 ein neues Strassenrennen in Oberuzwil/Uzwil (siehe Seite 48). «Ich durfte sehr viele schöne, spannende und lehrreiche Stunden im Radsport erleben. Deshalb bin ich gerne bereit etwas Zeit zu investieren, um der jungen Generation Startmöglichkeiten zu geben und sie auf faire und saubere Weise in diesen tollen Sport einzuführen.»
Neuer Beruf
Vor der eigentlichen Radportkarriere erlernte Philipp Buschor den Beruf als Landschaftsbauzeichner. «Nach den über fünf Jahren im Radprofigeschäft musste ich mich entscheiden, in meinem angestammten Beruf wieder fast von vorne zu beginnen oder einen ganz neuen Weg einzuschlagen. Ich entschied mich für die Polizeischule und bereue dies bis heute nicht, denn diese Ausbildung ist ein Rüstzeug für das ganze Leben», sagt Buschor. «Zu Hause habe ich vier Frauen, das heisst meine Frau und drei Töchter und die freuen sich natürlich, wenn Papa auch für sie Zeit hat. Den Kontakt zum RMV Uzwil, in welchem er als Zuzwiler das Radsport-ABC erlernte, hat er nie abgebrochen und ist mit dem neuen Projekt voll integriert.
Spät Berufener
Philipp Buschor war als Jugendlicher sehr sportinteressiert und bewegte sich gerne mit dem Rad oder zu Fuss in der Natur, hatte aber nicht geplant, einmal Spitzensportler oder gar Radprofi zu werden. «Ich bewunderte die Cracks im Radsport und begann als Jugendlicher kleinere Rennen zu bestreiten. Die Freude am Radsport und die Erfolge machten dann Hunger auf mehr und so löste ich eine Lizenz. Der Weg führte dann bis zum Sieg im Jahresklassement der Eliteamateure im Jahr 1995.
Plötzlich ging es schnell
Das Team von Saeco lancierte für das Jahr 1996 ein neues Team und der Patron des Teams war ein Schweizer. «Er wollte Schweizer Profis in seinem Team und so war ich damals mit meinen Erfolgen genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. An einem Samstag klingelte bei uns in Zuzwil das Telefon und bereits am darauf folgenden Montag unterschrieb ich in Begleitung von Ignaz Keller, dem damaligen Chef des Eliteteams Scott, einen Profivertrag im Saeco-Team. Ohne es bewusst anzustreben, war ich mit 25 plötzlich Radprofi und bewegte mich innert Wochenfrist in einer neuen mir noch wenig bekannten Welt. Wobei mir klar war, dass ich nicht als Leader eines Teams, sondern als Helfer und Chrampfer, vor allem in den Bergen, für die grossen Cracks, wie zum Beispiel damals Mario Cipollini, engagiert wurde. Neuer Beruf, neues Leben, neues Umfeld und als Landbub aus Zuzwil musste und wollte ich schnell lernen». Bereits im Jahr 1996, übrigens bei der legendären Etappenankunft auf der Hubstrasse in Wil, bestritt Buschor seine erste von vier Tour de Suisse. Buschor war unter anderem Gesamt-Neunter in der Tour de Suisse 1997. Mit dem VMC Hirslanden gewann er insgesamt fünf Schweizer Mannschafts- Meistertitel.
Fataler Sturz
Auch für Philipp Buschor war die Nomination im Jahr 1997, für Saeco die Tour de France zu fahren, ein Highlight und das Grösste. Die Grand Bouclé war, ist und bleibt das Mass aller Dinge und mit dabei zu sein ist Lebensschule pur und ein sportlicher Höhepunkt. Betreffend das Thema Doping möchte Buschor nichts beschönigen, weist aber auch darauf hin, dass es in anderen Ausdauersportarten wohl nicht besser sei. «Es missfällt mir auch, dass man als Radsportler gleich pauschalverurteilt wird und genau dieselben Leute, welche schimpfen, auch mitjubeln und nur Spitzenleistungen goutieren». Das Thema Doping bzw. der Griff zu Drogen und Chemie sei ein gesellschaftliches und kein spezifisches Radsportproblem. Mehr möchte er aber darauf nicht eingehen, sondern vorwärts schauen und seinen Teil dazu beitragen, dass der Nachwuchs diesen Sport fair ausüben könne. Buschor war im Laufe seiner Profikarriere mit einigen Erfolgsmeldungen unterwegs, gehörte aber nicht zu den ganz grossen Cracks. «Ich trainierte hart um mitzuhalten, aber alle Konsequenzen wollte ich meinem Körper nicht antun», so Buschor. Die Schweiz hielt im Juli 1997 beim grossen TdF-Zeitfahren rund um St. Etienne den Atem an, als Philipp Buschor im vollen Tempo von der Strasse abkam und frontal in eine Betonsäule raste. Er blieb benommen liegen, konnte aber nach der Verarztung mit Schürfungen, Platzwunden und Prellungen weiter fahren resp. sich weiter quälen. «Obwohl ich nach Kontrollschluss eintraf, beliess man mich im Rennen. Das sind dann aber Momente, wo man mit sich selber hadert, aber nicht aufgeben will. Ich entschied mich, Paris fahrend auf dem Rad zu sehen und kämpfte mich über die ganze Strecke durch.»
Polizist und Familienvater
Der 29-jährige Fahrer inzwischen im Post-Swiss-Teams, litt seit April 2000 an Pfeifferschem Drüsenfieber. Buschor lehnte eine Vertragsverlängerung bei Post Swiss ab, wo er gar als Teamstütze vorgesehen gewesen wäre. Philipp Buschor musste sich nach fünf Jahren als Radprofi entscheiden, wie er seine Zukunft weiter gestalten soll. «Ich bin ein Familienmensch, suche nicht den grossen Rummel und wollte mich für die Zukunft absichern. Deshalb entschied ich mich, wieder ins normale Leben zurückzukehren, bin heute sehr gerne Polizist und zudem Familienvater.»
Unterschiede
Wie Buschor sagt, habe sich der Radrennsport grundsätzlich nicht stark verändert. «Er ist aber vor allem in den Teams noch professioneller geworden und die Rennen sind noch mehr Teamrennen, in welchen alles getan wird, um dann die Leader in die erfolgreichen Positionen zu bringen. Heute sind die Rennen noch mehr als früher nur auf einen Leader ausgerichtet. Versagt dieser, ist das auch schlecht für das ganze Team. Der Sport und speziell der Radsport ist eine Lebensschule, die mich mitprägte, die ich keinesfalls missen möchte. Deshalb bin ich gerne bereit in der Region mit dem neuen Rennen in Oberuzwil neue Impulse zu geben und den Jungs und Girls aufzuzeigen, wie schön Sport grundsätzlich und der Radsport speziell sein kann und das auf saubere Art und Weise.“

